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Monsanto
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Monsanto war ein 1901 gegrĂŒndeter und bis zu seiner Ăbernahme durch die deutsche Bayer AG am 7. Juni 2018 eigenstĂ€ndiger, ab 1927 börsennotierter Konzern mit Sitz in Creve Coeur bei St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.
Bis dahin hatte Monsanto Niederlassungen in 61 LĂ€ndern. Das Unternehmen produzierte Saatgut und Herbizide und setzte seit den 1990er Jahren Biotechnologien zur Erzeugung gentechnisch verĂ€nderter FeldfrĂŒchte ein. Bekannte Produkte sind verschiedene transgene Maissorten und Breitbandherbizide mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat unter dem Namen Roundup.
Das Unternehmen war von August 2002 bis Juni 2018 im Aktienindex S&P 500 gelistet. Seit September 2016 waren Absichten einer Ăbernahme durch die Bayer AG bekannt,cite-ref-bayer-5-0[3] die am 7. Juni 2018 schlieĂlich fĂŒr einen Kaufpreis von 66 Mrd. Dollar abgeschlossen wurde. Auch aus ReputationsgrĂŒnden wurde der belastete Name Monsanto verworfen.cite-ref-6[4]cite-ref-7[5]
Contents
âą Geschichte
âą Sonstige
âą Kontroversen
âą Patente
âą Bewertungen
âą Filme
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
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Unternehmensprofil
Monsanto erzielte im GeschĂ€ftsjahr 2016 bei einem Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar einen Nettogewinn von 1,336 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben fĂŒr Forschung und Entwicklung betrugen etwa 1,5 Milliarden US-Dollar (11,2 % des Umsatzes). BeschĂ€ftigt waren 20.800 feste und 3.300 befristete Angestellte.cite-ref-ar2016-8-0[6]
Das Unternehmen ist in die beiden GeschĂ€ftsbereiche Seeds and Genomics und Agricultural Productivity gegliedert. Im Bereich Seeds and Genomics ist das gesamte SaatgutgeschĂ€ft sowie die Biotechnologie angesiedelt. Dieser steuerte 2016 74 % des Umsatzes bei. Monsanto produziert gentechnisch verĂ€ndertes Saatgut, das gegen SchĂ€dlinge resistent ist (Bt-Mais, Bt-Soja, Bt-Baumwolle) und das gegenĂŒber Glyphosat (Roundup Ready Mais, Sojabohnen, Baumwolle, Raps) oder Glyphosat und Dicamba (Sojabohnen, Baumwolle) tolerant ist. Ăber die Tochtergesellschaft Seminis wird auĂerdem Obst- und GemĂŒsesaatgut in ĂŒber 150 LĂ€ndern ausgeliefert. Der Bereich Agricultural Productivity stellt Herbizide fĂŒr Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Anlagen, Haus und Garten her und war fĂŒr 26 % des Umsatzes verantwortlich.cite-ref-ar2016-8-2[6] Bekanntestes Produkt aus diesem Bereich ist das Breitbandherbizid Roundup.
Bedeutende Konkurrenten sind die Firmen Pioneer Hi-Bred International, Syngenta, Dow AgroSciences, Bayer CropScience und BASF Plant Science. Laut einer EinschĂ€tzung der etc group besaĂ Monsanto 2007 mit etwa 5 Mrd. US-$ einen Anteil von 23 % am Markt fĂŒr rechtlich geschĂŒtztes Saatgut vor Pioneer Hi-Bred mit 15 % und Syngenta mit 9 %. FĂŒr den weltweiten Umsatz von gentechnisch verĂ€ndertem Saatgut ĂŒber 6,9 Mrd. US-$ ergab sich ein Anteil von 72 % und bei der AnbauflĂ€che von Gv-Pflanzen betrug der Anteil mit Technologie von Monsanto 87 %.cite-ref-etc87-9-0[7]
Monsanto besitzt ĂŒber 20 Standorte zur Saatgutproduktion. Die Pflanzenschutzmittelproduktion ist zentralisierter mit Standorten in Antwerpen (Belgien), Camaçari und SĂŁo JosĂ© dos Campos (Brasilien), Luling, Louisiana,cite-ref-10[8] Muscatine, Iowa, Rock Springs, Wyoming und Soda Springs, Idaho (USA) sowie ZĂĄrate (Argentinien).cite-ref-ar2016-8-3[6]
Geschichte
| UnternehmensfĂŒhrung | UnternehmensfĂŒhrung |
|---|---|
| Name | Zeitraum |
| John F. Queeny | 1901â1928 |
| Edgar Monsanto Queeny | 1928â1960 |
| Charles Allen Thomas | 1960â1964 |
| Edward OâNeal | 1964â1975 |
| John W. Hanley | 1975â1983 |
| Richard J. Mahoney | 1983â1995 |
| Robert B. Shapiro | 1995â2000 |
| Frank V. AtLee | 2000â2003 |
| Hugh Grant | seit 2003 |
Anfangszeit von Monsanto
John Francis Queeny (1859â1933) grĂŒndete 1901 die nach dem Familiennamen seiner Frau, Olga Mendez Monsanto,cite-ref-11[9] benannten Monsanto Chemical Works mit einem Anfangskapital von 5000 US-Dollar. GeschĂ€ftsziel war die Herstellung des SĂŒĂstoffs Saccharin. Einziger fester Angestellter war der Schweizer Chemiker Louis Veillon (1875â1958), der zuvor bei Sandoz gearbeitet hatte, woher man auch die Rohstoffe bezog. Zu dieser Zeit wurde Saccharin sonst nur noch in Deutschland produziert. Queeny blieb zunĂ€chst weiter bei seinem bisherigen Arbeitgeber. 1904 erweiterte Monsanto seine Palette um Koffein und 1905 um Vanillin. In der Folge wurden zwei weitere Schweizer Chemiker eingestellt, Gaston Dubois und Jules Bebie. In den ersten drei GeschĂ€ftsjahren fiel ein Verlust an, 1905 ein Gewinn von 10600 Dollar. Besonders das Koffein erwies sich als lukrativ. Ab 1908 widmete sich Queeny seiner eigenen Firma allein, 1915 stieg der Umsatz erstmals ĂŒber eine Million.cite-ref-12[10]
1927 erfolgte der Börsengang und 1928 ĂŒbergab Queeny die Firma an seinen Sohn Edgar.cite-ref-13[11] Ab 1933 lautete der Firmenname Monsanto Chemical Company. 1936 ĂŒbernahm Monsanto die zehn Jahre zuvor gegrĂŒndete Thomas and Hochwalt Laboratories, welche spĂ€ter die zentrale Forschungsabteilung wurde.cite-ref-14[12]
Monsanto gehörte 1944 zu insgesamt elf Unternehmen, welche kriegsbedingt im Zuge eines Programms der US-amerikanischen Regierung lizenzfrei Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) produzierten.cite-ref-15[13] 1962 wurde die Produktion eingestellt.cite-ref-16[14]
Seit den 1940er Jahren produzierte Monsanto unter anderem polychlorierte Biphenyle (PCB), die inzwischen zu den zwölf als âDreckiges Dutzendâ bekannten organischen Giftstoffen zĂ€hlen und welche durch das Stockholmer Ăbereinkommen vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden. Monsanto stellte die Produktion durch öffentlichen Druck 1977 ein.cite-ref-17[15]cite-ref-18[16] Am 16. April 1947 wurde durch die Explosion eines französischen Frachters eine Fabrik Monsantos in Texas City zerstört, wobei 512 Menschen ums Leben kamen.cite-ref-spy-award-19-0[17] 1949 wurde mit American Viscose das Joint Venture Chemstrand zur Herstellung von Acrylfasern gegrĂŒndet. 1961 kaufte Monsanto ihrem Partner die andere HĂ€lfte ab.cite-ref-20[18] Die zunehmende Bedeutung von Ăl und Gas fĂŒr die chemische Produktion veranlasste Monsanto 1955 zu der bis dahin mit Abstand gröĂten Ăbernahme, Lion Oil, welche den Umsatz um mehr als die HĂ€lfte auf 632 Mio. Dollar anwachsen lieĂ. Die Erdölraffinerie und das Tankstellennetz wurden 1972 an TOSCO verkauft, von den FörderaktivitĂ€ten, u. a. in der Nordsee und mittlerweile als Monsanto Oil Company gefĂŒhrt, trennte man sich Mitte der 1980er Jahre.cite-ref-21[19]cite-ref-22[20]
Vom Chemie- zum Mischkonzern
1960 wurde der landwirtschaftliche Bereich aufgebaut, welcher DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel umfasste. 1964 wurde der Firmenname auf Grund der stark gestiegenen Diversifizierung in Monsanto Company geĂ€ndert. Im selben Jahr entwickelten Chemstrand-Mitarbeiter den Kunstrasen ChemGrass, welcher nach der Installation im Astrodome 1966 als AstroTurf bekannt wurde.cite-ref-23[21] Ăber das 1954 mit der Bayer AG gegrĂŒndete Joint Venture Mobay war Monsanto bis 1967 an der Herstellung des Herbizids âAgent Orangeâ beteiligt, das die US-StreitkrĂ€fte im Vietnamkrieg zur Vernichtung von WĂ€ldern und Nutzpflanzen einsetzten. Aufgrund der Kontaminierung mit Dioxinen fĂŒhrte dies zu erheblichen irreversiblen GesundheitsschĂ€den bei Zivilisten und Soldaten, die dem Mittel ausgesetzt waren.
1968 fĂŒhrte William S. Knowles in den Labors von Monsanto die entscheidenden Experimente ĂŒber chiral katalysierende Hydrierungsreaktionen durch, wofĂŒr er 2001 mit dem Nobelpreis fĂŒr Chemie ausgezeichnet wurde.cite-ref-24[22] In den 1970er-Jahren hat Monsanto die Entwicklung von Leuchtdioden (LEDs) vorangetrieben, nachdem das Unternehmen 1968 als erste Firma die Massenproduktion von (roten) LEDs auf Basis von Galliumarsenidphosphid aufgenommen hatte. Die Produkte (diskrete LEDs und Siebensegmentanzeigen) ermöglichten damals erste Taschenrechner und Digital-(Armband-)Uhren.cite-ref-schubert-25-0[23]
Aufspaltung und Fokus auf GrĂŒne Gentechnologie
1979 wurde zusammen mit der American Society of Safety Engineers (ASSE) in Erinnerung an das UnglĂŒck von 1947 und den damaligen Vorstand der Edgar Monsanto Queeny Safety Professional of the Year (SPY) Award gestiftet, welcher jĂ€hrlich an Sicherheitsingenieure fĂŒr herausragende Leistungen vergeben wird.cite-ref-spy-award-19-1[17] Im selben Jahr wurde der Biologe Howard A. Schneiderman Chef der Forschungsabteilung und beeinflusste maĂgeblich die Entscheidung, ErtrĂ€ge aus dem âaltenâ ChemiegeschĂ€ft in das neue Feld der Biotechnologie zu investieren.cite-ref-26[24] 1980 erwarb Monsanto eine Beteiligung an Biogen und schloss eine Forschungskooperation mit Genentech.cite-ref-27[25] 1985 ĂŒbernahm Monsanto den SĂŒĂstoffhersteller G. D. Searle & Company und schuf die Tochtergesellschaft NutraSweet. Das gesamte SĂŒĂstoffgeschĂ€ft wurde 2000 verkauft.cite-ref-28[26]
1981 etablierte Monsanto eine Gruppe fĂŒr Molekularbiologie und machte die Biotechnologie zum strategischen Fokus des Unternehmens. Wissenschaftler bei Monsanto waren 1982 die Ersten, denen die gentechnische VerĂ€nderung einer Pflanzenzelle gelang.cite-ref-bell-29-0[27] Den ersten Patentantrag fĂŒr ein gentechnisch verĂ€ndertes Lebewesen stellte Monsanto 1983 auf eine vom Konzern entwickelte Petunie.cite-ref-andrew-kimbrell-2005-30-0[28] 1987 fĂŒhrte Monsanto â erstmals in den USA â Feldversuche mit gentechnisch verĂ€nderten Pflanzen durch.cite-ref-bell-29-1[27] 1994 kam das erste biotechnologisch erzeugte Produkt unter dem Markennamen Posilac auf den Markt. Es handelte sich um Recombinant Bovine Somatotropin (rBST), ein Wachstumshormon zur Steigerung der Milchleistung von Rindern. Rechte und Produktion wurden Anfang Oktober 2008 an Eli Lilly and Company verkauft.cite-ref-31[29]
Im FrĂŒhjahr 1997 wurde Calgene von Monsanto aufgekauft. Calgene war der Hersteller des Saatgutes der Flavr-Savr-Tomate, das erste gentechnisch verĂ€nderte Produkt, das in den USA auf den Markt zugelassen worden war. 1998 kaufte Monsanto das internationale SaatgutgeschĂ€ft von Cargill auĂerhalb Nordamerikas fĂŒr 1,4 Milliarden US-Dollar.cite-ref-32[30] Im selben Jahr ĂŒbernahm Monsanto DeKalb Genetics Corporation fĂŒr 2,3 Milliarden US-Dollar.cite-ref-33[31] Durch AufkĂ€ufe von Saatgut produzierenden Firmen wurde Monsanto 1998 nach dem US-amerikanischen DuPont-Pioneer Hi-Bred zum zweitgröĂten Saatgutkonzern.cite-ref-34[32]
1997 wurde das ChemiegeschĂ€ft in eine separate Firma namens Solutia ausgegliedert. Am 9. Februar 2000 wurden die landwirtschaftlich orientierten GeschĂ€ftsteile in eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Die ursprĂŒngliche Monsanto (ohne ausgegliederte Gesellschaften) fusionierte am 31. MĂ€rz 2000 mit Pharmacia & Upjohn und Ă€nderte ihren Namen in Pharmacia. Die zuvor gegrĂŒndete Tochtergesellschaft fĂŒr das AgrargeschĂ€ft fĂŒhrte von da an den Namen Monsanto und ĂŒbernahm zum Teil Verpflichtungen aus den frĂŒheren GeschĂ€ftsteilen von Pharmacia. Am 23. Oktober 2000 wurden 15 % an die Börse gebracht und am 13. August 2002 erfolgte die vollstĂ€ndige Abspaltung als die heutige Monsanto. Am 16. April 2003 ging Pharmacia in Pfizer auf.cite-ref-35[33]cite-ref-36[34]cite-ref-37[35] Nach der Aufteilung des Unternehmens 1997 bis 2002 entwickelte sich Monsanto zum Spezialisten fĂŒr Agrarchemie und gentechnisch verĂ€ndertes Saatgut.
Am 25. Januar 2005 ĂŒbernahm Monsanto den kalifornischen Produzenten von Obst- und GemĂŒsesaatgut Seminis fĂŒr 1,4 Milliarden US-Dollar. Im Februar 2005 kĂŒndigte Monsanto die Ăbernahme von Emergent Genetics Inc., dem damals drittgröĂten US-amerikanischen Saatguthersteller von Baumwolle mit den Marken Stoneville Pedigreed und NexGen, fĂŒr 300 Millionen US-Dollar an,cite-ref-38[36] welche am 5. April abgeschlossen wurde.cite-ref-39[37] Am 15. August 2006 verkĂŒndete das Unternehmen die Unterzeichnung einer Vereinbarung zum Kauf von Delta & Pine Land (D&PL) aus Mississippi fĂŒr 1,5 Milliarden US-Dollar in bar. Zuvor war im Jahr 1998 ein Ăbernahmeversuch fĂŒr 1,8 Milliarden US-Dollar gescheitert.cite-ref-40[38]cite-ref-banterminator-41-0[39]
Im Juli 2009 ĂŒbernahm Monsanto das auf gentechnisch verĂ€nderten Weizen spezialisierte Unternehmen WestBred fĂŒr 45 Millionen US-Dollar.cite-ref-42[40] Im August 2009 kaufte Syngenta fĂŒr 160 Millionen US-Dollar das GeschĂ€ft fĂŒr hybrides Saatgut von Sonnenblumen von Monsanto.cite-ref-43[41]
Im September 2011 ĂŒbernahm Monsanto Beeologics, welche ein RNAi-basierendes Mittel gegen Bienenviren in der Erprobung hat, insbesondere gegen das Israel Acute Paralysis Virus (IAPV). IAPV soll nach Ansicht der Forscher um Beeologics maĂgeblich fĂŒr Colony Collapse Disorder (CCD)/Bienensterben verantwortlich sein. Mit Hilfe von Monsantos Erfahrung in Zulassungsverfahren soll das Produkt zur Marktreife gebracht werden. In der Erforschung befindet sich ein weiteres Produkt gegen Nosema. Zu den wissenschaftlichen Beratern von Beeologics gehört der fĂŒr die Entdeckung der RNAi mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Craig Mello.cite-ref-44[42]cite-ref-45[43]cite-ref-46[44]
Nach langen Protesten erklĂ€rte die Monsanto-Sprecherin Ursula LĂŒttmer-Ouazane, dass aufgrund von Protesten keine AntrĂ€ge mehr fĂŒr den Anbau von gentechnischen Produkten in Europa gestellt werden,cite-ref-47[45]cite-ref-48[46] obwohl noch einige Pflanzen zugelassen werden sollen.cite-ref-49[47]cite-ref-50[48]
Ăbernahme durch die Bayer AG
Am 23. Mai 2016 legte die Bayer AG ein offizielles Angebot vor, Monsanto fĂŒr 62 Milliarden US-Dollar zu ĂŒbernehmen. Da diese Offerte zu niedrig gewesen sei, entschied sich das Management von Monsanto einstimmig zur Ablehnung des Angebots, man sei aber offen fĂŒr konstruktive GesprĂ€che.cite-ref-51[49] Am 6. September 2016 wurde ein neues Angebot von Bayer vorgelegt, bei dem der Preis pro Aktie von 122 auf 127,50 US-Dollar erhöht wurde.cite-ref-zeit-online20160906-52-0[50] Monsanto akzeptierte das Angebot wenig spĂ€ter. Der Kaufpreis lag bei 66 Milliarden US-Dollar (60 Milliarden Euro) und ist damit die bislang gröĂte Ăbernahme durch einen deutschen Konzern im Ausland. Bayer wurde damit zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemie-GeschĂ€ft.cite-ref-bayer-5-1[3] FĂŒr den Fall, dass die Ăbernahme aus kartellrechtlichen GrĂŒnden nicht erfolgt wĂ€re, hatte sich Bayer bereiterklĂ€rt, 2 Milliarden US-Dollar an Monsanto zu zahlen.cite-ref-53[51]cite-ref-54[52]
Am 21. MĂ€rz 2018 stimmte die EU-Kommission der geplanten Ăbernahme unter Auflagen zu. So hatte sich Bayer zuvor verpflichtet, fast sein gesamtes weltweites GeschĂ€ft fĂŒr Saatgut und agronomische Merkmale, einschlieĂlich der Forschung, an BASF zu verkaufen. DarĂŒber hinaus ĂŒbernimmt BASF das GeschĂ€ft mit dem Pflanzenschutzmittel Glufosinat, drei wichtige Forschungsprogramme fĂŒr Breitband-Unkraut-Vernichtungsmittel und das in der Marke Nunhems zusammengefasste GemĂŒsesaatgutgeschĂ€ft.cite-ref-55[53] Die Genehmigung durch das US Department of Justice erfolgte am 29. Mai 2018.cite-ref-56[54] Als letzte Wettbewerbsbehörde erteilte die mexikanische ComisiĂłn Federal de Competencia EconĂłmica am 4. Juni unter Auflagen ihre Genehmigung. Am 7. Juni 2018 wurde die Ăbernahme abgeschlossen. Der Name Monsanto wird nicht fortgefĂŒhrt, die Integration in den Bayer-Konzern konnte jedoch erst erfolgen, nachdem BASF die Ăbernahme der von Bayer abgegebenen Bereiche im August 2018 abgeschlossen hatte.cite-ref-57[55]
Auf der ersten Bayer-Hauptversammlung nach dem Abschluss der umstrittenen Ăbernahme von Monsanto 2019 versagten erzĂŒrnte AktionĂ€re dem Vorstand um Bayer-Konzernchef Werner Baumann die Entlastung â eine Premiere in der Geschichte des DAX. Die Bayer-Aktie hatte nach dem Abschluss der Monsanto-Transaktion um 40 Prozent an Wert eingebĂŒĂt. An der Börse war Bayer, einst Deutschlands wertvollstes DAX-Unternehmen, mit 57 Milliarden Euro nur noch etwa so viel wert, wie Bayer als Kaufpreis fĂŒr Monsanto bezahlt hatte. Zahlreiche GroĂaktionĂ€re hatten daher bereits im Vorfeld angekĂŒndigt, den Vorstand und teilweise auch den Aufsichtsrat nicht entlasten zu wollen.cite-ref-58[56]cite-ref-59[57]
Juristische Auseinandersetzungen
Klagen gegen Monsanto
Das US-Landwirtschaftsministerium veröffentlichte 1912 nach zĂ€hen Verhandlungen die Food Inspection Decision 142 auf Grundlage des Pure Food and Drug Act von 1907. In der Entscheidung wurde Saccharin als Zutat fĂŒr normale Lebensmittel verboten.cite-ref-priebe-60-0[58] Eine Verwendung als Heilmittel fĂŒr Diabetiker blieb erlaubt. SpĂ€ter wurde die erlaubte Nutzung auf diĂ€tische Lebensmittel ausgeweitet.cite-ref-61[59] WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs durfte Saccharin wieder als Zutat benutzt werden. Eine Klage des Leiters des USDA Chemielabors gegen die Monsanto Chemical Works war 1916 erfolglos.cite-ref-priebe-60-1[58] 1920 erhob die US-Regierung Klage gegen Monsanto. Monsanto habe weiter umfangreich Saccharin in den Handel gebracht und damit gegen das Pure Food Law verstoĂen; Saccharin habe eine gesundheitsschĂ€dliche Wirkung. Da die Regierung ihr Vorbringen nicht ausreichend beweisen konnte, einigte sich die Jury nicht auf ein Urteil.cite-ref-62[60] Auch 1924 scheiterte eine Klage der Regierung an einer zerstrittenen Jury. Die Klagen wurden 1925 endgĂŒltig abgewiesen.cite-ref-63[61]
Ehemalige US-Soldaten, die im Vietnamkrieg mit dem Entlaubungsmittel Agent Orange in BerĂŒhrung gekommen waren, hatten Sammelklagen gegen mehrere Hersteller eingereicht. 1985 wurde nach einem auĂergerichtlichen Vergleich von sieben Firmen, darunter Monsanto, ein EntschĂ€digungsfonds ĂŒber 180 Millionen US-Dollar eingerichtet. Eine Klage der vietnamesischen Vereinigung der Opfer von Agent Orange gegen Monsanto und weitere Chemiekonzerne wurde im MĂ€rz 2005 von einem US-amerikanischen Bundesgericht abgelehnt.cite-ref-64[62]
1998 verklagten die Bauern Simrall & Simrall, die gegen Monsantos Herbizid Roundup resistente Sojabohnen angebaut hatten, die Monsanto Tochtergesellschaft Jacob Hartz Seed Company auf Schadensersatz. Die Sojabohnen wurden vom Sojabohnen-Mosaik-Virus befallen, obwohl die Samen als krankheitsresistent (disease-resistant) beworben worden waren. FĂŒr den Ernteverlust von fast 80 % sprach ein Gericht den KlĂ€gern eine EntschĂ€digung von knapp 163.000 US-Dollar zu. Das Urteil wurde vom Berufungsgericht Mississippi bestĂ€tigt.cite-ref-65[63]cite-ref-66[64]
Im August 2003 wurde ein Vergleich geschlossen, um 20.000 Einwohner der Stadt Anniston in Alabama zu entschĂ€digen, die jahrelang mit Wissen Monsantos den gesundheitsschĂ€dlichen Nebenprodukten der PCB-Erzeugung ausgesetzt waren. Die Produktion wurde zwar bereits 1976 gesetzlich untersagt, doch zog sich der Prozess ĂŒber Jahrzehnte hin. Seit Ende der 1930er Jahre waren Monsanto die toxischen Eigenschaften von PCB bekannt.cite-ref-69[67] Dennoch entsorgte der Konzern nahezu 40 Jahre lang Millionen Tonnen PCB im nahegelegenen Snow Creek.cite-ref-70[68] Monsanto zahlte 390 Millionen US-Dollar, Versicherungen 160 Millionen und Solutia 50 Millionen. Andere Kosten wie fĂŒr Entsorgung sollen 100 Millionen betragen haben, so dass sich der Gesamtumfang auf 700 Millionen US-Dollar belief.cite-ref-71[69] Die Umgegend der Monsanto-ProduktionsstĂ€tten W. G. Krummrich und Cerro Copper Products Company in Sauget in Illinois ist mit PCB und Dioxin kontaminiert. Hohe Konzentrationen an Dioxin wurden ebenfalls am Monsanto-Standort in Nitro in West Virginia nachgewiesen.cite-ref-72[70]
Am 6. Januar 2005 wurde gegen Monsanto ein BuĂgeld in Höhe von 1,5 Millionen US-Dollar verhĂ€ngt, da der Konzern von 1997 bis 2002 mindestens 140 Regierungsbeamte in Indonesien bestach, um die fĂŒr die EinfĂŒhrung der Bt-Baumwoll-Sorte âBollgardâ seitens der indonesischen Regierung geforderte UmweltrisikoabschĂ€tzung zu unterlaufen. Dabei flossen Bestechungsgelder in Höhe von 700.000 US-Dollar mit denen unter anderem BĂŒcher und Rechnungen gefĂ€lscht wurden. Die United States Securities and Exchange Commission hatte den Konzern wegen VerstoĂes gegen den Foreign Corrupt Practices Act verklagt.cite-ref-73[71]
Kurz vor der Gerichtsverhandlung am 19. MĂ€rz 2008 bezĂŒglich einer Klage von dem im Jahr 2007 fĂŒr seinen Kampf gegen die Gentechnik mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichneten Percy Schmeiser gegen Monsanto wegen 2005 auf seinen Feldern unerwĂŒnscht aufgetauchten gentechnisch verĂ€nderten Rapses kam es zu einer auĂergerichtlichen Einigung. Monsanto zahlte eine Rechnung ĂŒber 660 US-Dollar aus dem Jahr 2006 fĂŒr die von Schmeiser selbst durchgefĂŒhrte Beseitigung, Schmeiser ĂŒbernahm seine Gerichtskosten und musste Monsantos Verschwiegenheitsklausel nicht unterschreiben. Nach Angaben Schmeisers war Monsanto zuvor in einem ersten auĂergerichtlichen Einigungsversuch nur unter der Bedingung bereit zu zahlen, dass ĂŒber den Fall Stillschweigen bewahrt wĂŒrde und es fĂŒr die Zukunft ausgeschlossen wĂ€re, Monsanto wegen Kontamination seiner Ernte vor Gericht zu belangen, was Schmeiser nach Angaben der taz als âsittenwidrigâ abgelehnt hatte.cite-ref-74[72]cite-ref-75[73]cite-ref-76[74]
1996 erhob der Staat New York in den USA Klage gegen Monsanto, da das Herbizid Roundup auf dem AuĂenetikett mit der Eigenschaft âbiologisch abbaubarâ beworben wurde. Der Generalstaatsanwalt verurteilte Monsanto dazu, keine Roundup-Herbizide mit der Etikettierung âbiologisch abbaubarâ auf den Markt zu bringen.cite-ref-77[75] Im Januar 2007 verurteilte in Frankreich die 5. Kammer des Strafgerichts von Lyon den Konzern Monsanto und die Firma Scotts France, den Verteiler von Roundup, jeweils zu einem BuĂgeld von 15.000 âŹ. Hintergrund war, dass die Organisationen «Eau et riviĂšres de Bretagne» und Union fĂ©dĂ©rale des consommateurs Klage erhoben hatten, da sie in der Deklarierung von Roundup als âbiologisch abbaubarâ und âumweltfreundlichâ einen Etikettenschwindel sahen.cite-ref-78[76]cite-ref-79[77] Monsanto legte gegen dieses Urteil Berufung ein, scheiterte jedoch. Daraufhin stellte Monsanto einen Revisionsantrag, welcher im Oktober 2009 abgelehnt wurde.cite-ref-80[78]cite-ref-81[79]
Am 13. Februar 2012 wurde Monsanto von der 4. Kammer fĂŒr Zivilangelegenheiten des Landesgerichts Lyon schuldig gesprochen, den 47-jĂ€hrigen Landwirt Paul Francois durch ein Pflanzenschutzmittel vergiftet zu haben.cite-ref-faz-82-0[80] Das Gericht kam zu der Ăberzeugung, dass Paul Francois 2004 durch Einatmung des Herbizids Lasso gesundheitliche SchĂ€den davongetragen hat. Als Folge hieraus verurteilte das Gericht Monsanto dazu, Paul Francois umfassend fĂŒr die erlittenen gesundheitlichen SchĂ€den zu entschĂ€digen. Eine medizinische Expertise als Grundlage fĂŒr die Höhe der EntschĂ€digung wurde veranlasst.cite-ref-monde-83-0[81]
Die Beschwerden von Francois werden von medizinischer Seite auf eine SchĂ€digung des Zentralnervensystems zurĂŒckgefĂŒhrt, die sich kurz nach der Inhalation in Symptomen wie Ăbelkeit, Stottern, SchwindelanfĂ€lle und Störungen des Muskelapparates Ă€uĂerten und zu einer einjĂ€hrigen Unterbrechung der ErwerbstĂ€tigkeit fĂŒhrten. Aufgrund chronischer MĂŒdigkeit und hartnĂ€ckigen Kopfschmerzen ist Francois gegenwĂ€rtig nur zu einer HalbtagsbeschĂ€ftigung in der Lage.cite-ref-monde-83-1[81] Ein Jahr nachdem er die DĂ€mpfe eingeatmet hatte, ergaben Analysen, dass in seinem Organismus Spuren von Monochlorbenzol, einem in Lasso in hoher Konzentration enthaltenen Lösungsmittel, vorhanden waren.cite-ref-monde-83-2[81] François Lafforgue, der Anwalt von Francois, hatte Monsanto vorgeworfen, Lasso nicht vom Markt genommen zu haben, obwohl die GefĂ€hrlichkeit bereits 1980 festgestellt worden sei und entsprechende Verbote in England und Belgien bestanden.cite-ref-monde-83-3[81]
Lafforgue dokumentierte das Urteil als historische Entscheidung, da erstmals ein Schuldspruch gegen einen Hersteller von Pestiziden wegen Vergiftung erfolgt ist. Die BeweisfĂŒhrung im Fall Francois unterschied sich von Ă€hnlichen Verfahren dadurch, dass ihm der genaue Zeitpunkt der Inhalation bekannt war. Monsanto schloss eine mögliche Berufung nicht aus.cite-ref-faz-82-1[80] Das Urteil könnte fĂŒr Ă€hnlich gelagerte Verfahren wegweisende Wirkung besitzen.cite-ref-faz-82-2[80]
Vom 15. bis 18. Oktober 2016 fand das Monsanto-Tribunal statt.
Am 10. Juli 2018 ebnete der US-Bundesrichter Vince Chhabria in San Francisco den Weg fĂŒr eine Klagewelle gegen Monsanto. Der Richter erklĂ€rte, nur weil das Erbringen eines lupenreinen Ursache-Wirkung-Nachweises eine âgroĂe Herausforderungâ fĂŒr die KlĂ€ger sei, dĂŒrfe man ihnen einen Prozess nicht verwehren.cite-ref-84[82]cite-ref-85[83] Der Konzern hatte bis zuletzt erbittert um die Abweisung der AntrĂ€ge gekĂ€mpft.cite-ref-86[84] Es gebe ausreichend Hinweise fĂŒr eine Verhandlung der Klagen, in denen das Glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup fĂŒr die Entstehung von LymphdrĂŒsenkrebs verantwortlich gemacht wird.cite-ref-87[85] Alleine bei Chhabrias Gericht warfen mehr als 400 Bauern, GĂ€rtner und Verbraucher Monsanto vor, durch den Unkrautvernichter das Non-Hodgkin-Lymphom bekommen zu haben. USA-weit waren ĂŒber 5.000 Klagen anhĂ€ngig.cite-ref-88[86] Die dabei verhandelte Klage des 46-jĂ€hrigen Dewayne Johnson, bei dem 2014 LymphdrĂŒsenkrebs diagnostiziert worden war, wurde anderen FĂ€llen vorgezogen, weil der Mann bereits im Sterben lag.cite-ref-89[87]cite-ref-90[88] Die Nichtregierungsorganisation U.S. Right To Know hatte zu 250 Klagen, die im Distriktgericht von San Francisco verhandelt werden, freigegebene Dokumente veröffentlicht (âMonsanto Papersâcite-ref-91[89]cite-ref-92[90]cite-ref-93[91]). Demnach waren Monsanto die Gesundheitsgefahren seit vielen Jahren bekannt, wurden aber vertuscht und die Verbraucher nicht gewarnt.cite-ref-94[92]cite-ref-95[93]cite-ref-96[94]cite-ref-97[95]
Am 10. August 2018 fĂ€llte der San Francisco Superior Court ein Meilenstein-Urteil zugunsten Dewayne Johnsons und gegen Monsanto, kurz nach der Ăbernahme durch Bayer am 7. Juni 2018.cite-ref-98[96] Es war der erste Prozess in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob Glyphosat Krebs verursachen kann. Monsanto wurde zur Zahlung von 290 Millionen US-Dollar (umgerechnet 253 Millionen Euro) verurteilt, mit der BegrĂŒndung, der glyphosathaltige Unkrautvernichter Round-up habe zur Krebserkrankung des KlĂ€gers âwesentlichâ beigetragen und Monsanto habe versĂ€umt, den Kunden vor dem Krebsrisiko durch das Herbizid zu warnen. Dies wurde als âHeimtĂŒckeâ eingestuft. Johnson bekam eine EntschĂ€digung in Höhe von 39,2 Millionen US-Dollar zugesprochen, der Rest war eine Strafzahlung (Punitive damages).cite-ref-99[97] Der Umweltanwalt Robert F. Kennedy Jr., der zu Johnsons Team gehört, erklĂ€rte: âDie Geschworenen haben der Chefetage von Monsanto eine Botschaft gesandt, dass die GeschĂ€fte nun geĂ€ndert werden mĂŒssen.â Der Konzern habe lange versucht, die kritischen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu unterdrĂŒcken â âdoch die Wissenschaft war viel ĂŒberzeugenderâ.cite-ref-100[98]cite-ref-101[99]cite-ref-102[100] Die Bayer-Aktie stĂŒrzte massiv ab. Vorstandsvorsitzender Werner Baumann erklĂ€rte, RĂŒckstellungen fĂŒr Schadensersatzzahlungen habe Bayer bislang nicht gebildet. Es wurde öffentlich, dass bis Ende Juli 2018 rund 8.000 Klagen vorlagen.cite-ref-103[101] Baumann rĂ€umte ein, dass sein Unternehmen keinen Zugang zu internen Monsanto-Mails ĂŒber die Gesundheitsrisiken von glyphosathaltigen Pestiziden gehabt habe, bevor Bayer Monsanto kaufte.cite-ref-104[102]
Das Urteil in der Johnson-Klage fachte die Diskussion ĂŒber die SchĂ€dlichkeit von Glyphosat erneut an.cite-ref-105[103]cite-ref-106[104] Kurz vor dem Urteil entschied ein Bundesrichter in Brasilien, dass neue Produkte, die Glyphosat enthielten, im Land nicht registriert werden konnten und bestehende Registrierungen ausgesetzt wĂŒrden.cite-ref-107[105]cite-ref-108[106] Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot erklĂ€rte, das Urteil sei der âBeginn eines Kriegesâ gegen Glyphosat in Europa.cite-ref-109[107] Die Substanz mĂŒsse verboten werden, es sei kein Kampf gegen das Interesse der Bauern, sondern zu ihrem Vorteil.cite-ref-110[108]cite-ref-111[109] In Deutschland, der Heimat der neuen Muttergesellschaft von Monsanto, der Bayer AG, forderte die Umweltministerin, dass der Einsatz von Glyphosat-basierten Herbiziden innerhalb von drei Jahren eingestellt werden sollte.cite-ref-112[110]cite-ref-113[111]cite-ref-114[112] Ăric Andrieu, Vorsitzender des Sonderausschusses fĂŒr das Genehmigungsverfahren der EU fĂŒr Pestizide, sagte âWenn es eine Kontroverse gibt, ist es zumindest notwendig, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, um die Gesundheit von 500 Millionen EuropĂ€ern zu schĂŒtzenâ.cite-ref-115[113]
Nach insgesamt drei verlorenen âStrafschadensersatzprozessenâ 2018/2019, einer Besonderheit des US-Rechts, geklagt hatten nach Johnson als weitere Betroffene Edwin Hardeman und das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod (erstinstanzlich in Oakland festgelegter Schadensersatz fĂŒr letztere: rund zwei Milliarden Dollar) rechnen Kommentatoren damit, dass Bayer der US-weiten Klagewelle wird nachgeben mĂŒssen und fĂŒr die nĂ€chsten Jahre erhebliche RĂŒckstellungen dafĂŒr bilden muss.cite-ref-116[114] Nach dem Stand vom Mai 2019 stand Bayer in den USA gerundet 13.400 Klagen gegenĂŒber, im MĂ€rz 2024 waren noch etwa 54.000 der insgesamt rund 167.000 eingereichten Klagen der von Bayer-Cheflobbyist Matthias Berninger als âregelrechte US-Klageindustrieâcite-ref-117[115]cite-ref-118[116] bezeichneten Anwaltskanzleien offen.cite-ref-119[117] Allein vor dem Gericht in Oakland, wo der Fall des Ehepaars Pilliod verhandelt wurde, waren 250 Klagen anhĂ€ngig.cite-ref-120[118]
US-Bundesrichter Vince Chhabria reduzierte die zuerst von einer Jury im Fall Hardeman verhĂ€ngte Summe von gut 80 Mio. US-Dollar am 15. Juli 2019 auf 25,3 Mio. US-Dollar und begrĂŒndete das vor allem damit, dass das VerhĂ€ltnis zwischen dem regulĂ€ren Schadenersatz und dem âStrafschadenersatzâ in einem verfassungsrechtlich angemessenen Rahmen bleiben muss.cite-ref-121[119]
Bis Oktober 2025 mussten rund 11 Milliarden US-Dollar fĂŒr Vergleiche an etwa 100.000 KlĂ€ger gezahlt werden im Zusammenhang mit der KarzinogenitĂ€t des glyphosatbasiertem Roundup. Mindestens 63.000 weitere Klagen waren anhĂ€ngig. In intensiver Lobbyarbeit des ReprĂ€sentantenhauses der Vereinigten Staaten versuchte der Konzern sich rechtliche ImmunitĂ€t gegen Krebsklagen zu verschaffen. Zwei Bundesstaaten hatten entsprechende Rechtsakte bereits erlassen.cite-ref-122[120]
Monsanto als KlÀger
Nach der Darstellung von Monsanto verklagte das Unternehmen seit 1997 147 amerikanische Bauern mit dem Vorwurf, Monsantos Patente auf genetisch modifiziertes Saatgut verletzt zu haben. Hierbei geht es in der Regel um den Vorwurf, die Bauern wĂŒrden Samen aus der Ernte aufbewahren, um sie im nĂ€chsten Jahr zur Aussaat zu verwenden, was aufgrund ihrer VertrĂ€ge mit Monsanto unzulĂ€ssig sei. Monsanto bemĂŒht sich aktiv, solche FĂ€lle aufzudecken, und hat zu diesem Zweck auch Landwirte um ihre Mithilfe gebeten, eine kostenlose Hotline zum Melden von VerstöĂen eingerichtet und Detektive engagiert. Nach Angaben des Unternehmens kommt es jĂ€hrlich bei ĂŒber 250.000 Landwirten, die Monsantos Technologie nutzen, in einer geringen Zahl zu VerdachtsfĂ€llen. Es kam bisher zu insgesamt elf Gerichtsverfahren, die alle zugunsten Monsantos entschieden wurden.cite-ref-123[121] Um gegen Bauern wegen Patentverletzungen zu ermitteln und diese gegebenenfalls zu verklagen, baute der Konzern eine Abteilung mit 75 Angestellten und einem jĂ€hrlichen Budget von 10 Millionen US-Dollar auf.cite-ref-124[122] In einer Pressemitteilung im Herbst 1998 bestĂ€tigte die Firma, dass sie 475 VerdachtsfĂ€llen von Saatgut-Patentverletzungen nachginge.cite-ref-125[123] Mindestens 500 VerdachtsfĂ€lle dieser Art verfolgen die âErmittlerâ von Monsanto jedes Jahr.cite-ref-126[124] Das Zentrum fĂŒr Nahrungsmittelsicherheit, Washington D.C. gibt 2005 90 US-Gerichtsverfahren an, in denen Monsanto als KlĂ€ger gegen Bauern wegen Patentverletzungen auftrat, die 147 Bauern und 39 kleine Firmen oder LandhĂ€ndler betreffen. Bei mindestens sechs dieser 90 Verfahren sei ein Saatgutvertrag mit gefĂ€lschter Unterschrift vorgelegt worden. Der davon betroffene Bauer Stratemeyer reichte gemÀà der Studie eine Sammelklage gegen Monsanto ein. BegrĂŒndet habe er sie mit dem Vorwurf der Beschaffung und Nutzung gefĂ€lschter Unterschriften auf Saatgut-VertrĂ€gen.cite-ref-bauern-127-0[125]
Ein in Kanada bis zum obersten Gerichtshof ausgefochtener Fall erregte weltweit Aufsehen. Monsanto beschuldigte 1998 den Landwirt Percy Schmeiser, unberechtigt und unter Verletzung eines Monsanto-Patents die genetisch modifizierte Raps-Variante âRoundup-Ready Canolaâ, die gegen das Herbizid Roundup resistent ist, angebaut zu haben. Nach Angaben Schmeisers war Raps von vorbeifahrenden Lastwagen gefallen oder von nahen Feldern anderer Bauern herĂŒbergeweht worden. Er hatte dies festgestellt, nachdem er auf etwa einem Hektar entlang der StraĂe Roundup ausbrachte und rund 60 % der Pflanzen ĂŒberlebten. Aus diesem Teil hatte er Saatgut gewonnen und danach auf 400 Hektar gezielt angebaut und kommerziell verwertet. Die 2004 gefallene höchstrichterliche Entscheidung legte dem Landwirt keine Lizenzzahlungen und keinen Strafschadensersatz auf, da er nicht von den besonderen Eigenschaften der Roundup-resistenten Rapssorte profitiert hatte, hielt aber fest, dass er prinzipiell nicht das Recht hatte, die patentierte Sorte wissentlich anzubauen.cite-ref-128[126]cite-ref-129[127] Das Ehepaar Schmeiser wurde fĂŒr ihren Kampf gegen Monsanto 2007 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt. In der BegrĂŒndung der Jury heiĂt es u. a.:
â⊠for their courage in defending biodiversity and farmersâ rights, and challenging the environmental and moral perversity of current interpretations of patent laws.â
â⊠fĂŒr ihren Mut bei der Verteidigung der BiodiversitĂ€t und der Rechte der Landwirte und dafĂŒr, dass sie die PerversitĂ€t der gegenwĂ€rtigen Auslegung der Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen und anprangern.)â
â
BegrĂŒndung der Jury
2004 ging Monsanto gerichtlich gegen eine Werbekampagne der Molkerei Oakhurst Dairy in Portland, Maine vor, die damit warb, dass die verwendete Milch von KĂŒhen stammte, die nicht das in Europa und Kanada verbotene Wachstumshormon rBGH von Monsanto bekommen hatten. Monsanto hielt diese Werbeaussage fĂŒr geschĂ€ftsschĂ€digend. Die beiden Firmen einigten sich auĂergerichtlich auf eine verĂ€nderte Formulierung.cite-ref-131[129]
Im April 2009 reichte Monsanto eine Klage gegen das von Agrarministerin Ilse Aigner ausgesprochene Anbauverbot der gentechnisch verĂ€nderten Maissorte MON810 ein.cite-ref-132[130] Vom Verwaltungsgericht Braunschweig wurde das Anbauverbot jedoch in einem Eilverfahren bestĂ€tigt.cite-ref-133[131] Auch ein weiterer Eilantrag Monsantos vor dem NiedersĂ€chsischen Oberverwaltungsgericht in LĂŒneburg wurde am 28. Mai 2009 abgewiesen.cite-ref-134[132]
Sonstige
Zwischen 2002 und 2007 verkaufte Monsanto in 1782 FĂ€llen in den USA Bt-Baumwollsaatgut, dessen AnwendungsbroschĂŒre die Information ĂŒber ein Anbauverbot in zehn texanischen Countys entgegen der gesetzlichen Vorschrift nicht enthielt (bis September 2008 galt in diesen Countys ein Anbauverbot, um die Entwicklung von Resistenzen gegen Bt-Toxine zu behindern). Monsanto teilte der EPA das Fehlen der Information 2007 mit, korrigierte anschlieĂend die AnwendungsbroschĂŒre und erklĂ€rte sich im Juli 2010 bereit, hierfĂŒr 2,5 Millionen US-Dollar Strafe zu zahlen. Diese Strafe ist die höchste, die jemals im Rahmen des Federal Insecticide, Fungicide and Rodenticide Act verhĂ€ngt wurde.cite-ref-135[133]
2005 verklagte der Imker Karl-Heinz Bablok den Freistaat Bayern auf Schadensersatz, weil Pollenspuren von gentechnisch verĂ€ndertem Mais (MON810) in seinem Honig gefunden wurden. Der EuropĂ€ische Gerichtshof urteilte im September 2011, dass Pollen im Honig als Zutat einzustufen ist und die Herkunftspflanze hierfĂŒr eine besondere Zulassung benötigt, wenn sie gentechnisch verĂ€ndert ist. Diese Zulassung besitzt MON810 nicht. Durch das neue Urteil ist zum einen eine Toleranzschwelle fĂŒr die Zutat Pollen aus in der EU nicht zugelassener GVO nicht gegeben. Zum andern muss die Honigzutat Pollen dann als âgenetisch verĂ€ndertâ gekennzeichnet werden, wenn der Anteil von Pollen aus hierfĂŒr zugelassenen Gv-Pflanzen mehr als 0,9 % am Gesamtpollengehalt betrĂ€gt.cite-ref-136[134]cite-ref-137[135]
Siehe auch
:
Honig mit Spuren von gentechnisch verÀndertem Mais
Kontroversen
Bt-Baumwolle und Suizide in Indien
Die EinfĂŒhrung von Bt-Baumwolle von Monsanto hat in Indien polarisierende Kontroversen ausgelöst. Im Vorfeld war im MĂ€rz 1998 dem Unternehmen Delta & Pine Land gemeinsam mit den Vereinigten Staaten von Amerika vom US-Patentamt das erste Patent auf eine Terminatortechnologie erteilt worden. Die Terminatortechnologie wurde als âSystem zur Kontrolle der FortpflanzungsfĂ€higkeit des Samens, ohne die Frucht zu beeintrĂ€chtigenâ deklariert.cite-ref-138[136] Die Diskussion um diese Technologie hatte sich auf Monsanto fokussiert. Als Grund hierfĂŒr sieht AndrĂ© de Kathen, Molekularbiologe, u. a. den 1999 erfolgten Versuch von Monsanto Delta & Pine Land zu ĂŒbernehmen, wie auch dass diese Technologie Folgen fĂŒr die Subsistenzwirtschaft in EntwicklungslĂ€ndern mit sich brĂ€chte.cite-ref-139[137] Die Umweltaktivistin Vandana Shiva (2002)cite-ref-shiva-140-0[138] oder das Netzwerk Gene Campaign (1999) gaben an, Monsanto besĂ€Ăe Produkte, basierend auf der âTerminatortechnologieâ, durch welche Samen ihre KeimfĂ€higkeit verlieren. Durch die Vermarktung dieser Technologie wĂ€re die BiodiversitĂ€t bedroht und Bauern verlören die Möglichkeit, Teile ihrer Ernte wiederauszusĂ€en. Aktivisten zerstörten unter dem Namen Operation Cremate Monsanto mehrere Feldversuche mit Bt-Baumwolle in Indien. Die indische Regierung verbot die heimische Anwendung der Terminator-Technologie im Jahr 1998, die Bewegung bestand dennoch weiter. Nach Angaben von Shiva sei durch den Anbau (offiziell seit 2002) von Bt-Baumwolle in Indien die Suizidrate unter indischen Kleinbauern gestiegen. 2006 behauptete Shiva laut dem Politikwissenschaftler Ronald Herring, Monsantos Bt-Baumwolle basiere auf der Terminatortechnologie und habe tausende indische Bauern in âVerschuldung, Verzweiflung und Todâ getrieben.cite-ref-141[139]cite-ref-herring-142-0[140]cite-ref-143[141] Er analysiert 2006 das Scheitern der Operation Cremate Monsanto so: Bt-Baumwolle habe sich in Indien aus agronomischen GrĂŒnden weitgehend durchgesetzt, die Aktivisten hinter der Kampagne hĂ€tten die objektiven Klasseninteressen der Baumwollbauern an höherem und verlĂ€sslicherem Einkommen falsch eingeschĂ€tzt, sie hĂ€tten Monsanto die Terminator-Technologie aufgrund unzuverlĂ€ssiger Quellen zugeschrieben und die Kampagne sei auf sich empirisch widerlegenden Behauptungen zum Einfluss Monsantos auf das indische SaatgutgeschĂ€ft aufgebaut gewesen.cite-ref-144[142]
Monsanto bestreitet, Produkte mit Terminator-Technologie zu entwickeln oder kommerziell zu vertreiben.cite-ref-145[143] An der University of Delhi durchgefĂŒhrte Analysen von Bt-Saatgut fanden keine âTerminator-Geneâ.cite-ref-146[144] Eine 2011 veröffentlichte Untersuchung des IFPRI kommt zu dem Schluss, dass eine Zunahme von Selbstmorden durch die offizielle Statistik nicht belegt werden kann. Die EinfĂŒhrung der Bt-Baumwolle habe groĂe Zugewinne bei ProduktivitĂ€t und Einkommen der Bauern erbracht.cite-ref-147[145]cite-ref-148[146]cite-ref-149[147] Glenn Davis Stone, Professor fĂŒr Anthropologie, weist darauf hin, dass es im Hauptanbaugebiet von Baumwolle in Indien schon immer eine erhöhte Suizidrate bei Bauern gegeben habe. Publikationen, die die Selbstmorde auf die neuen Samen zurĂŒckfĂŒhren, liege oft zweifelhaftes empirisches Material zugrunde. In seiner aktuellen Studie (2011), die auch auf Vergleichsstudien in ausgewĂ€hlten Dörfern im Warangal District (Andhra Pradesh) beruht, stellte G. D. Stone fest, dass bei Bt-Baumwolle höhere ErtrĂ€ge (18 %) bei niedrigerem Pestizideinsatz (54 %) vorlagen. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass es unklar ist, wie lang diese Gewinne angesichts gestiegener SchĂ€den durch Nicht-Zielorganismen (Schadinsekten, gegen die das Giftgen nicht wirkt) halten wĂŒrden. Den Bauern fehle es â im Zusammenhang mit dem Anbau gentechnisch verĂ€nderter Baumwolle â hinsichtlich des raschen Wechsels von Saatgut und Technologien an Möglichkeiten, Prozesse fĂŒr ihre eigenen Interessen sinnvoll zu steuern. Selbst Saatgutlieferanten hĂ€tten in Befragungen keine Angaben zu Einsatzmöglichkeiten zu dem von ihnen angebotenen Saatgut liefern können. Diese Situation fĂŒhrte im Zusammenhang mit in der Geschichte der Region begrĂŒndeten Entwicklungen zu einem seit Jahren andauernden Verlust von landwirtschaftlichem Know-how bei den Bauern.cite-ref-150[148]cite-ref-151[149] Srijit Mishra vom Indira Gandhi Institute of Development Research sowie K. Nagaraj vom Madras Institute of Development Studies stellen in ihren Studien zu Selbstmorden indischer Bauern eine angestiegene Selbstmordrate im fraglichen Zeitraum fest. In die Suizidstatistik bei Nagaraj flieĂen auch Selbsttötungen der Farmfrauen ein, die ĂŒblicherweise der Suizidstatistik der Gesamtbevölkerung zugerechnet werden. Beide Studien fĂŒhren die Suizide auf eine Kombination sozioökonomischer Ursachen zurĂŒck. Als solche werden Mangel an alternativen Einkommensquellen, niedriges Einkommen, Schulden, unzureichende Regulierung von KreditmĂ€rkten sowie das Fehlen geeigneter Hilfsstrukturen fĂŒr Bauern benannt.cite-ref-152[150]cite-ref-153[151] Die aktuelle Studie von GruĂšre und Sengupta (2011) findet zwar steigende absolute Selbstmordzahlen, jedoch keinen Anstieg von Farmerselbstmorden im Vergleich zur indischen Gesamtbevölkerung. Ihre Metastudie zur Auswirkung der EinfĂŒhrung von Bt-Baumwolle ergab einen Einkommensanstieg fĂŒr die Bauern um 50â94 %. Nach einer detaillierten Untersuchung von Selbstmordzahlen auf der Ebene einzelner Bundesstaaten folgern sie, dass die Möglichkeit abgewiesen werden könne, Bt-Baumwolle sei âeine notwendige oder eine hinreichende Bedingung fĂŒr Bauernselbstmorde in Indienâ. Allerdings geben sie an, nicht ausschlieĂen zu können, dass die Bt-Baumwolle eine mögliche Rolle bei dem diskreten Anstieg der Selbstmorde gespielt habe, insbesondere in den Jahren 2002, 2004 und 2006 und in den Gebieten Andhra Pradesh and Maharashtra.cite-ref-154[152]
GeschÀftsverhalten allgemein
Kritiker monieren, Monsanto betreibe eine offensive Aufkaufpolitik anderer Saatgutunternehmen und halte bereits eine Monopolstellung bei der Produktion von genverĂ€ndertem Saatgut.cite-ref-155[153]cite-ref-156[154] 2005 lag der Marktanteil von Monsanto laut Greenpeace bei ĂŒber 90 % aller weltweit angebauten transgenen Pflanzen. Greenpeace behauptet, Monsanto wolle die globale Landwirtschaft vollstĂ€ndig unter seine Kontrolle bringen.cite-ref-machtstrategien-157-0[155]
In der Kolumne âDas Kapitalâ der Financial Times Deutschland wurde im April 2009 unter dem Titel âMonsantos GiftkĂŒcheâ das GeschĂ€ftsgebaren von Monsanto kritisiert. Der Autor vergleicht die Vorgehensweise von Monsanto mit den Bankern, die die Finanzkrise auslösten. Monsanto werde von Finanzmarktanalysten geliebt, da der Konzern auch im schwierigen Jahr 2009 Absatz, Marktanteil und Eigenkapitalrendite steigern konnte. Bauern in EntwicklungslĂ€ndern seien von den Produkten des âQuasimonopolistenâ abhĂ€ngig. Was Monsanto anrichte, könne man ânoch gar nicht fassenâ. Der Autor bezeichnete den durch Banken in der Finanzkrise verursachten Schaden als âlaues LĂŒftchen gegen das, was sich im Agrarsektor anbahntâ.cite-ref-158[156]
Monsanto kĂŒndigte im Mai 2013 an, die Lobbyarbeit fĂŒr den Anbau von gentechnisch verĂ€ndertem Saatgut in Europa aufzugeben.cite-ref-159[157] Diese AnkĂŒndigung bezog sich jedoch nicht auf Lobbyarbeit fĂŒr die Zulassung von Importen solcher Pflanzen. Im Oktober 2013 lieĂ die EU auf Bestreben Monsantos und Dow Agrosciences einen weiteren gentechnisch verĂ€nderten Mais (âSmartStaxâ) fĂŒr den Import, nicht den Anbau, zu.cite-ref-160[158] Dow Agrosciences und Monsanto haben hier ein gemeinsames Interesse, wie auch der Mutterkonzern Dow Chemicals und Monsanto teilweise gemeinsame GroĂinvestoren aufweisen.cite-ref-161[159]cite-ref-162[160]
GeschĂ€ftsverhalten gegenĂŒber Bauern
Im Mai 2003 startete das Zentrum fĂŒr Nahrungsmittelsicherheit (Center for Food Safety, CFS) in den USA unter dem Titel âMonsanto gegen US-amerikanische Bauernâ eine Untersuchung zu Rechtsstreitigkeiten US-amerikanischer Bauern, die patentierte, gentechnisch verĂ€nderte Pflanzen anbauten. Dabei wurde festgestellt, dass Monsanto auf der Basis ihrer zusĂ€tzlich mit den Bauern abgeschlossenen VertrĂ€ge (âTechnologie-â bzw. âAnbauvertrĂ€geâ) zunehmend Bauern wegen tatsĂ€chlicher oder vermuteter Patent- oder Vertragsverletzungen verklagt. Die Arbeitsgemeinschaft bĂ€uerliche Landwirtschaft (AbL) aus Deutschland veröffentlichte 2009 auszugsweise diese Studie sowie im Anhang den Monsanto-Anbauvertrag fĂŒr Deutschland 2006. Sie schreibt im Vorwort der Veröffentlichung:
âMonsantos Versuch, Bauern abhĂ€ngig zu machen, der Einsatz aggressiver Ermittlungsmethoden und das skrupellose Verklagen von Bauern stellen einen Angriff auf die Grundfeste bĂ€uerlicher Gewohnheiten dar, unter anderem auf eines der Ă€ltesten Rechte von Bauern: Saatgut der eigenen Ernte aufzubewahren und wieder auszusĂ€en (Nachbau).âcite-ref-163[161]
Der Filmautor Christian Jentzsch kritisierte 2006, dass es Landwirten im Konfliktfall mit Monsanto vertraglich nicht gestattet sei, sich gegenĂŒber Dritten zu Ă€uĂern. Weiterhin werde diesen Landwirten vertraglich untersagt, bei Ernte- oder ErtragsausfĂ€llen (z. B. RĂŒckgang der Fruchtbarkeit bei Zuchtschweinen) gegen Monsanto zu klagen.cite-ref-arme-sau-164-0[162]
Der Soziologe Souleymane Ouattara beanstandet 2008, dass Monsanto es seinen Kunden in Mali verbiete, ErnteertrĂ€ge aus Monsanto-Saatgut erneut auszusĂ€en, und dass die KaufvertrĂ€ge zur Vermeidung von Patentverletzungen eine ĂberprĂŒfung der Einhaltung dieser Vertragsbedingung erlauben. Die Bauern seien dieses System nicht gewohnt. Bisher bewahren sie aus jeder Ernte fĂŒr die nĂ€chste Aussaat Saatgut auf oder bekommen es kostenlos von der staatlichen Textilgesellschaft. Bei EngpĂ€ssen oder einer zweiten Aussaat greife gegenseitige Hilfe. Da die Monsanto-VertrĂ€ge dies nicht erlauben, steht laut Ouattara ein Gesellschaftssystem auf dem Spiel.cite-ref-165[163]
Patente
Monsanto nutzt die rechtlichen Möglichkeiten von Patenten, die manche LĂ€nder auf Pflanzensorten gewĂ€hren. In diesen LĂ€ndern verbietet das Gesetz die Aussaat der Ernte aus patentrechtlich geschĂŒtztem Saatgut. Gegen Landwirte, die dieses Verbot verletzen, können von den Patentinhabern rechtliche Schritte eingeleitet werden. Ein Patentschutz wird jedoch nur in einigen LĂ€ndern gewĂ€hrt. In den USA, Mexiko und China können Gene und Pflanzen patentrechtlich geschĂŒtzt werden, jedoch wird dieser Schutz in China kaum kontrolliert. In Deutschland, Indien und Argentinien werden Gene und Pflanzen hingegen nicht patentrechtlich geschĂŒtzt. Auch das EuropĂ€ische PatentĂŒbereinkommen sieht keinen Patentschutz fĂŒr Pflanzensorten vor.cite-ref-166[164]cite-ref-167[165]cite-ref-168[166]cite-ref-169[167]cite-ref-170[168] Allerdings lĂ€sst sich auch in Deutschland das geistige Eigentum an neuen Sorten schĂŒtzen (siehe Sortenschutz).
1990 stellte Unilever bei der EuropĂ€ischen Patentorganisation einen Patentantrag fĂŒr eine Weizensorte, in die eine indische VarietĂ€t (Nap Hal) eingekreuzt war. 1998 verkaufte Unilever das WeizengeschĂ€ft an Monsanto. Im Mai 2003 wurde dem Patentantrag stattgegeben. Im Oktober 2003 ĂŒbernahm wiederum die französische RAGT den GeschĂ€ftsbereich von Monsanto.cite-ref-171[169]cite-ref-172[170] Im Januar 2004 ging Greenpeace gegen das Patent mit der BegrĂŒndung vor, europĂ€ische Bauern und BĂ€cker mĂŒssten LizenzgebĂŒhren an Monsanto zahlen.cite-ref-173[171] Im MĂ€rz 2004 erfolgte durch das Patentamt die Aufforderung an den Patentinhaber RAGT, eine Stellungnahme zum Einspruch einzureichen. Im September 2004 hat RAGT sein Patent widerrufen.cite-ref-174[172]
Im April 2000 stellte Monsanto bei der Weltorganisation fĂŒr geistiges Eigentum einen Antrag auf Patentschutz einer ZĂŒchtungsmethode und daraus resultierenden höherwertigen Sojapflanzen.cite-ref-175[173] Greenpeace befĂŒrchtete, weltweit mĂŒssten Bauern LizenzgebĂŒhren an Monsanto zahlen.cite-ref-176[174] Es ist nicht bekannt, ob tatsĂ€chlich auf Grund dieses Patentes Zahlungen an Monsanto erfolgen.
2003 besaà Monsanto 647 Patente auf gentechnisch verÀnderte Pflanzen, mehr als jeder andere Gentechnikkonzern.cite-ref-andrew-kimbrell-2005-30-1[28]
2009 und 2010 beantragte Monsanto internationale Patente auf eine bestimmte Art der FĂŒtterung von Schweinen und Fischen in Aquakultur, unter anderem mit gentechnisch verĂ€ndertem Futter, das einen erhöhten Gehalt an ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren aufweist und sich vorteilhaft auf die Produkte auswirken soll. Der Patentanspruch beinhaltet daher auch die so erzeugten Produkte. Der ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter Christoph Then bezeichnete dies als einen Missbrauch des Patentrechtes, da Schnitzel und Schinken keine Erfindungen seien.cite-ref-177[175]cite-ref-178[176]cite-ref-179[177]cite-ref-180[178]
Vorwurf der FĂ€lschung wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse
Tiruverda Jagadisan, der fast 20 Jahre bei Monsanto beschĂ€ftigt war, davon acht Jahre als geschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor fĂŒr Monsanto Indien, warf Monsanto vor, wissenschaftliche Daten zu fĂ€lschen, die Zulassungsbehörden der Regierung ĂŒbermittelt wurden, um Genehmigungen fĂŒr eigene Produkte in Indien zu erhalten. Bei einer öffentlichen Anhörung im Februar 2010 im Kontext des Zulassungsverfahren der gentechnisch verĂ€nderten Bt-Aubergine (Aubergine indisch: brinjal)cite-ref-181[179] sprach er sich gegen diese Aubergine aus. Jagadisan gab an, dass die staatlichen Zulassungsbehörden, mit denen Monsanto in den 1980er Jahren geschĂ€ftlich zu tun hatte, bei der Genehmigung von Herbiziden âschlichtwegâ von den Daten abhingen, die Monsanto der Behörde zukommen lieĂ. Die zentralen Behörde fĂŒr die Zulassung von Insektiziden habe nicht aufgrund lokal- und sortenspezifischer Daten aus Indien â wie von ihr eigentlich erwartet wurde â Zulassungen erlassen, sondern auslĂ€ndische Testergebnisse von Monsanto akzeptiert, ohne die technische Möglichkeit zu haben, diese zu ĂŒberprĂŒfen. Dazu seien die Daten auch noch zeitweise gefĂ€lscht gewesen. Er gab an, sich vom Unternehmen zurĂŒckgezogen zu haben, da er den Eindruck gewonnen hatte, dass das Management von Monsanto Indien ausbeuten wĂŒrde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Information erhalten, dass Monsanto Terminatorgene in sein Saatgut einbauen wĂŒrde.cite-ref-182[180]
Politische Einflussnahme und Verstrickungen mit der Politik
In der Kritik steht darĂŒber hinaus eine Vermischung von Monsantos AktivitĂ€ten und der Politik. Unter der Bezeichnung ârevolving doorsâ (âDrehtĂŒrâ) prangerten Konzernkritiker die âzur Perfektion gebrachteâ Personalverquickung mit der herrschenden Administration und die Sympathie fördernde Aussicht auf lukrative Jobs fĂŒr Beamte und Politikerassistenten an und bezeichneten Monsanto als âein Pensionat fĂŒr ehemalige Clinton-Mitarbeiterâ.cite-ref-183[181] So war Linda J. Fischer zunĂ€chst Verwaltungsangestellte bei der Environmental Protection Agency (EPA) fĂŒr den Bereich Umweltvermeidung Pestizide und Giftstoffe, anschlieĂend wurde sie VizeprĂ€sidentin der Abteilung Ăffentlichkeitsarbeit bei Monsanto, um anschlieĂend stellvertretende Direktorin der EPA zu werden. William D. RĂŒckelhaus war zunĂ€chst Verwaltungsleiter bei der Food and Drug Administration (FDA) und war mehr als ein Jahrzehnt Vorstandsmitglied von Monsanto. Michael Kanto war zunĂ€chst Vertreter der USA in Handelsfragen und danach ebenfalls Vorstandsmitglied bei Monsanto. Magret Miller war aufsichtsfĂŒhrende Chemielaborantin bei Monsanto, danach stellvertretende Direktorin fĂŒr Lebensmittelsicherheit bei der FDA. Michael R. Taylor war Rechtsberater und stellvertretender Beauftragter fĂŒr Politisches bei der FDA und war danach Leiter des Monsanto BĂŒros in Washington.cite-ref-184[182]
Im April 2007 wies der damalige deutsche Landwirtschaftsminister, Horst Seehofer, das Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an, den Verkauf von Saatgut der Sorte MON810, eine gentechnisch verĂ€nderte Maissorte von Monsanto, zu verbieten. Unmittelbar nach dem Verbot schrieb der Leiter der Gentechnik-Abteilung des BVL eine E-Mail an seinen Vorgesetzten. Darin behauptet er, dass keine neuen Erkenntnisse vorlĂ€gen, die einschrĂ€nkende MaĂnahmen gegen das Inverkehrbringen von MON810 begrĂŒnden könnten. Bei einem Streit um gentechnisch verĂ€nderten Mais legte ein Anwalt Monsantos diese E-Mail dem brandenburgischen Oberlandesgericht vor. Auf welchem Weg diese E-Mail vom BVL zu Monsanto ĂŒbermittelt wurde, ist unklar. Der ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter Christoph Then sieht eine Verflechtung von Monsanto mit dem BVL belegt. Das Landwirtschaftsministerium hegt hingegen keine Zweifel an der UnabhĂ€ngigkeit des BVL. Im Dezember 2007 entschied das BVL, MON810 wieder zuzulassen.cite-ref-187[185]
Als die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am 14. April 2009 den Anbau von MON810 auf deutschen Feldern nicht mehr gestattete,cite-ref-ftd-de-188-0[186] bestellte der Handelsvertreter der Vereinigten Staaten Ron Kirk den deutschen Botschafter Klaus Scharioth ins Ministerium ein, wo er das Missfallen der US-Regierung ĂŒber das Verbot von MON810 zum Ausdruck brachte.cite-ref-189[187] Der Guardian wertete ĂŒber Wikileaks zugĂ€nglich gewordene US-Botschaftsdepeschen aus. US-Diplomaten haben danach direkt fĂŒr Gentechnikunternehmen wie Monsanto gearbeitet und sich auf dessen Bitte offiziell fĂŒr eine weniger restriktive Gentechnikpolitik eingesetzt.cite-ref-190[188]
Im September 2017 wurde den Lobbyisten von Monsanto der Zutritt zum Europaparlament durch Entzug der Zugangsberechtigung verboten, da sie nicht zu einer Anhörung im Parlament erschienen waren. Hintergrund waren offene Fragen zur Rolle des Unternehmens bei Studienerstellungen zum Wirkstoff Glyphosat (Monsanto-Papers).cite-ref-191[189] Dies ist das erste Mal, dass ein solches Verbot erging.cite-ref-192[190]
Einige Beispiele legen auch nur den Verdacht der Einflussnahme von Monsanto in politische Entscheidungen nahe, ohne das Nachweise gesucht oder gefunden werden. Zumindest kann man sie nur sehr schwer einzelnen Politikern zuordnen. So stimmte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt im Jahr 2017 einer weiteren Zulassung des umstrittenen Herbizid Glyphosat bis 2022 in der EU, völlig ĂŒberraschend, und gegen die Vereinbarung des Kabinetts bzw. die GeschĂ€ftsordnung der Bundesregierung, zu.cite-ref-0-193-0[191] Schmidt rechtfertigte sein Ja mit âwichtigen Verbesserungen zum Schutze der Pflanzen- und Tierweltâ und rĂ€umte ein, sich allein entschlossen zu haben.cite-ref-194[192] Er tat dies zudem, obwohl rund 73 % der Deutschen fĂŒr ein Verbot plĂ€dierten. Der Impuls könnte auch auf der Leitungsebene des Ministeriums gefallen sein: Demnach empfahl das zustĂ€ndige Fachreferat fĂŒr Pflanzenschutz Minister Christian Schmidt bereits am 7. Juli 2017 zu prĂŒfen, ob man ohne das EinverstĂ€ndnis des SPD-gefĂŒhrten Umweltministeriums dem Vorschlag der EU-Kommission âeigenverantwortlichâ zustimmen könne. Eine entsprechende Anfrage des Ministeriums daraufhin lehnte das Kabinett ab.cite-ref-0-193-1[191] Thilo Bode titelte dazu in den BlĂ€ttern fĂŒr Deutsche und internationale Politik, in der Ausgabe, Oktober 2018: âLobbyismus 2.0: Der industriell-politische Komplex .âcite-ref-195[193] In der EU gab es reichlich Widerstand gegen die VerlĂ€ngerung, um sich von einer industriellen Agrochemie befreien zu können, âdie Landwirte und Ăkosysteme vergiftetâ, wie es in einem Kommentar der französischen Zeitung âLe Mondeâ hieĂ.cite-ref-196[194] Das Unternehmen Monsanto ist der weltweit gröĂte Produzent und in einigen Medien wurde der Minister daraufhin als Monsantos Cheflobbyist oder Lobbyist bezeichnet.cite-ref-197[195]cite-ref-198[196]cite-ref-199[197] Allerdings gab es auch in BrĂŒssel aktive Lobbyarbeit: Der zustĂ€ndige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis aus Litauen zeigte sich nach dem Votum angetan: âSehen Sie uns das nicht schon am Gesicht an, dass wir gewonnen haben?âcite-ref-200[198] Wie umfassend der Lobbyismus von Monsanto sein kann, zeigte sich 2019: Nach Medienberichten wird der Glyphosat-Hersteller verdĂ€chtigt, in Deutschland heimlich Studien finanziert zu haben, die dann als Argumente gegenĂŒber der Politik genutzt wurden.cite-ref-201[199]cite-ref-202[200]
Verbot des Anbaus von MON810 in Deutschland
Nachdem die Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft den Verkauf der gentechnisch verĂ€nderten Maissorte MON810 bereits 2007 kurzfristig verboten hatte (siehe oben), gab Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am 14. April 2009 bekannt, dass der Anbau von MON810 auf deutschen Feldern nicht mehr zugelassen sei.cite-ref-ftd-de-188-1[186] Kurz danach bestellte der Handelsvertreter der Vereinigten Staaten Ron Kirk den deutschen Botschafter Klaus Scharioth ins Ministerium ein, wo er das Missfallen der US-Regierung ĂŒber das Verbot von MON810 zum Ausdruck brachte.cite-ref-203[201] In Reaktion auf die Entscheidung zeigten sich zehn renommierte deutsche Wissenschaftsorganisationen (u. a. Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft) in einer gemeinsamen ErklĂ€rung besorgt, âdass diese Entscheidung den Trend verstĂ€rken wird, mit einer aller Voraussicht nach wichtigen Zukunftstechnologie irrational umzugehen und dadurch irreparable SchĂ€den fĂŒr den Standort Deutschland herbeizufĂŒhren.âcite-ref-204[202] Monsanto scheiterte im Jahr 2009 mit einer Klage gegen das vom Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erlassene Anbauverbot.cite-ref-verbot2009-205-0[203]
Streit um Fernsehbericht ĂŒber umstrittene Wachstumshormone in der Milchproduktion
Unter dem Markennamen Posilac vertrieb Monsanto ein Wachstumshormon zur Steigerung der Milchleistung von MilchkĂŒhen (Recombinant Bovine Somatotropin â rBST). Die beiden FOX-Journalisten Steve Wilson und Jane Akre verfĂŒgten 1997 nach eigenen Angaben ĂŒber Informationen, dass Posilac 1993 nicht von der Lebensmittelbehörde FDA als unbedenklich hĂ€tte zugelassen werden dĂŒrfen.cite-ref-206[204]
Monsanto stellte gegenĂŒber FOX dar, dass der Bericht der Journalisten sich auf lĂ€ngst widerlegte Untersuchungen grĂŒndete und nicht geeignet sei, den komplizierten wissenschaftlichen Hintergrund darzustellen. Ăber die Frage, ob und wie weit Monsanto seine Position in dem Bericht wiedergeben dĂŒrfe, kam es zum ZerwĂŒrfnis der Journalisten mit dem Fernsehsender. Der Vertrag mit FOX wurde nicht verlĂ€ngert, und 1998 verklagten sie den Sender. 2005 scheiterten die beiden in letzter Instanz vor einem Gericht.cite-ref-207[205] Auch dem Antrag, FOX die Lizenz entziehen zu lassen, wurde von der Medienbehörde nicht stattgegeben. Es sei kein Versuch der NachrichtenunterdrĂŒckung von FOX gewesen, sondern ein Redaktionsstreit.cite-ref-208[206]
Kontroversen um genverÀnderten Mais und Roundup
Zu einigen Produkten von Monsanto gibt es Kontroversen bezĂŒglich ihrer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Mais MON863
â
Hauptartikel
:
MON863
Eine wissenschaftliche Kontroverse ĂŒber eine mögliche GesundheitsgefĂ€hrdung entbrannte im Zuge der 2006 erfolgten europĂ€ischen Zulassung des gentechnisch verĂ€nderten Mais MON863. Eine Forschergruppe um den französischen Molekularbiologen Gilles-Eric SĂ©ralini veröffentlichte 2007 eine Studie, in der die Ergebnisse einer fĂŒr die Zulassung relevanten FĂŒtterungsstudie mit einer alternativen statistischen Methode erneut ausgewertet wurden und signifikante Abweichungen festgestellt wurden. Die Forschergruppe schloss daher eine mögliche GesundheitsgefĂ€hrdung nicht aus.cite-ref-209[207] Nach Konsultationen mit den Mitgliedstaaten und der Gruppe um Seralini sah die EFSA keine Hinweise, âdass die beobachteten Differenzen auf unerwĂŒnschte Wirkungen schlieĂen lassenâ und âkeinen Grund, [âŠ] frĂŒhere Gutachten zu revidieren, die feststellen, dass MON 863-Mais bei vorgesehener Anwendung keine negative Wirkung aufweist.âcite-ref-210[208] Der aktuelle wissenschaftliche Konsens ist, dass transgener Mais keine Risiken aufweist, welche ĂŒber jene von konventionell gezĂŒchteten Sorten hinausgehen.cite-ref-aaas-211-0[209]cite-ref-decade-of-eu-funded-gmo-research-212-0[210] cite-ref-ronald-213-0[211]cite-ref-ama-214-0[212]cite-ref-fao2004-215-0[213]cite-ref-216[214]cite-ref-217[215]
Glyphosat/Roundup
â
Hauptartikel
:
Glyphosat
,
Roundup
und
Glyphosatresistenz
Eine weitere wissenschaftliche Kontroverse, welche auch aktuell gefĂŒhrt wird, entzĂŒndete sich um die Auslegung und Aussagekraft verschiedener Studien aus den Jahren 2009 und 2010, die eine potenzielle ToxizitĂ€t von Glyphosat und Glyphosat-basierten Herbiziden feststellten und daraus eine mögliche GesundheitsgefĂ€hrdung fĂŒr den Menschen ableiteten. Andere Studien geben an, dass die bestimmungsgemĂ€Ăe Anwendung von Glyphosat keine Gesundheitsrisiken birgt.cite-ref-dukepowles08-218-0[216]cite-ref-cerdeiraduke06-219-0[217]cite-ref-giesy-220-0[218]cite-ref-221[219] In der aktuellen Diskussion in Deutschland bestĂ€tigt das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass Letters to the Editor an ein Fachmagazin zur Risikobewertung von Glyphosat verwendet wurden.cite-ref-222[220] Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) hat dazu Stellung bezogen und betont, dass âLetters to the editor ein Mittel zur wissenschaftlichen Kommunikation zwischen dem Autor eines Artikels und der wissenschaftlichen Leserschaft einer Zeitschrift und keine 'Leserbriefe' sind, wie von manchen Medien behauptet worden ist.âcite-ref-223[221] Von den 14 verwendeten Letters to the editor kamen nach Auswertung der SĂŒddeutschen Zeitung zehn direkt von Monsanto-Mitarbeitern bzw. aus dem Umfeld des Konzerns.cite-ref-224[222]
Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 und der deutsche Verein Umweltinstitut MĂŒnchen haben 2016 eine Strafanzeige gegen Monsanto gestellt, da im Wiederzulassungsverfahren fĂŒr Glyphosat angeblich wichtige Studien systematisch ausgeschlossen oder falsch interpretiert worden seien.cite-ref-225[223]
Dicamba und NemaStrike
Ein Problem ergab sich auch beim Herbizid Dicamba, welches im US-Bundesstaat Arkansas verboten wurde. Grund war, dass Dicamba von den Einsatzorten abdriftete und so AckerfrĂŒchte, die keine Resistenz gegen das Herbizid besaĂen, in groĂer Verbreitung geschĂ€digt wurden.cite-ref-226[224] Das Pestizid NemaStrike wurde gestoppt, als sich eine HautschĂ€dlichkeit herausstellte.cite-ref-227[225]
Monsanto-Listen zur Glyphosat-ZulassungsverlÀngerung in der EU
Am 9. Mai 2019 enthĂŒllte die Zeitung Le Monde, dass Monsanto ab 2016 in Frankreich klandestine Listen anlegen lieĂ mit teilweise persönlichen Informationen ĂŒber Politiker und Beamte, Journalisten, Leiter von Berufsorganisationen und öffentliche Organisationen und sogar Wissenschaftler, die sich in Europa an der Debatte ĂŒber die ZulassungsverlĂ€ngerung von Glyphosat und Gentechnik beteiligten, mit dem Ziel, diese zu ĂŒberwachen und zu beeinflussen. Das französische Strafgesetzbuch verbietet jedoch die Einrichtung einer Datenbank mit personenbezogenen Daten, die die politischen und weltanschaulichen Meinungen einer Person ohne deren Zustimmung speichert. Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren. Bayer entschuldigte sich drei Tage spĂ€ter fĂŒr das Vorgehen der Tochterfirma Monsanto. SpĂ€ter teilte Bayer mit, dass Monsanto wahrscheinlich seit Mitte des Jahrzehnts europaweit Listen mit Namen von UnterstĂŒtzern und Kritikern habe erstellen lassen. Der Deutsche Journalistenverband erlĂ€uterte, dass in Deutschland das Bundesdatenschutzgesetz âdas Verarbeiten personenbezogener, nicht allgemein zugĂ€nglicher Daten unter Strafeâ stellt. SĂ©golĂšne Royal, damalige französische Umweltministerin, erklĂ€rte nach Bekanntwerden der Monsanto-Listen: âPervers ist dieses Lobbying im verborgenen, das sich illegaler, der Spionage Ă€hnelnder Methoden bedient.âcite-ref-228[226]cite-ref-229[227]
Bewertungen
Die Stiftung Ethik & Ăkonomie (ethecon) begrĂŒndete die Verleihung ihres Negativpreises Black Planet Award an Monsanto am 2. Dezember 2006 mit der âaggressiven Unternehmensstrategie dieses Konzernsâ, durch die âdie profitbasierte Macht globaler Konzerne und die damit verbundenen ökologischen und sozioökonomischen Folgen besonders deutlich werdenâ.cite-ref-231[229]cite-ref-232[230]
2010 wurde Monsanto vom Forbes Magazine zum Unternehmen des Jahres ernannt,cite-ref-233[231] von Seiten des Forbes Magazine selbst wird jedoch diese Entscheidung mittlerweile angezweifelt.cite-ref-234[232] Hugh Grant wurde 2010 von der Zeitschrift Chief Executive zum CEO des Jahres erklÀrt.cite-ref-235[233]
Der Monsanto-Manager Robert Fraley erhielt den von Monsanto unterstĂŒtztencite-ref-236[234] WelternĂ€hrungspreis 2013 zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Biotechnologie, Marc Van Montagu und Mary-Dell Chilton.cite-ref-237[235]cite-ref-238[236]
Das Marktforschungsunternehmen The Harris Poll (frĂŒher Harris interactive) stellt jĂ€hrlich das Ansehen und die VertrauenswĂŒrdigkeit der 100 bekanntesten Firmen bei Verbrauchern auf dem US-Markt fest, genannt âThe Reputation of Americaâs 100 Most Visible Companiesâ. Monsanto belegte 2016 den Platz 96 von 100.cite-ref-239[237]
Filme
âą Bayer Monsanto - Eine Fusion mit Folgen. Deutschland, 2019, 43 Min. WDR â Die Story von Michael Heussen und Ingolf Gritschneder
âą Roundup, der Prozess. Frankreich, 2017, 90 Min., Regie: Marie-Monique Robin. Arte, 17. Oktober 2017
âą Gekaufte Wahrheit â Gentechnik im Magnetfeld des Geldes, Deutschland 2011, 91 Min., Regie: Bertram Verhaag, Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk.
âą Monsanto, mit Gift und Genen. Dokumentation, Frankreich, Kanada, Deutschland, 2007, 107 Min., Regie: Marie-Monique Robin, Erstsendung: 11. MĂ€rz 2008, ISBN 978-3-89848-959-1.
âą Gift im Angebot â Die Erfolgsstory des US-Multis Monsanto. Dokumentation, 2007, 30 Min., ein Film von Manfred Ladwig, Produktion: SWR, Erstsendung: 27. Juni 2007
âą Arme Sau â Das GeschĂ€ft mit dem Erbgut. Dokumentation, 2006, 45 Min., von Christian Jentzsch, Produktion: WDR, Erstsendung: 9. Oktober 2006, YouTube-Video
âą The Monsanto Story â Part 1 (1901â1994), Dokumentation, 2007, 22 Min., von Andy Radford
âą Percy Schmeiser â David gegen Monsanto, Dokumentation, 2009, 65 Min., von Bertram Verhaag
Literatur
âą Jörg Bergstedt: Monsanto auf Deutsch. Seilschaften der Agrogentechnik zwischen Firmen, Behörden, LobbyverbĂ€nden und Forschung â von Aachen bis Rostock. SeitenHieb-Verlag, Reiskirchen 2010, ISBN 978-3-86747-043-8.
âą Dan J. Forrestal: Faith, Hope & $5000: The Story of Monsanto. Trials and Triumphs of the first 75 years. Simon and Schuster, New York 1977, ISBN 0-671-22784-X.
âą Andrew Kimbrell, Joseph Mendelson: Monsanto vs. U.S. Farmers. Center for Food Safety, 2005 centerforfoodsafety.org (PDF; 3,6 MB) â Der Bericht dokumentiert Monsantos Klagen gegen US-amerikanische Farmer, Auszug der Studie in deutscher Sprache (PDF; 6,3 MB)
âą Heike Moldenhauer: GiftgrĂŒne Gentechnik. Der Kampf um MON 810. In: BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik. 7/2009, S. 81â90, blaetter.de
âą Marie-Monique Robin: Mit Gift und Genen. Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verĂ€ndert. DVA, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-421-04392-4; als Video auf DVD, 107 Minuten: Absolut-Medien, Berlin 2009, ISBN 978-3-89848-959-1; Goldmann Taschenbuch, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-442-15622-1.
⹠Soren Seelow: Monsanto, un demi-siÚcle de scandales sanitaires Zusammenstellung der Affairen, in die Monsanto wÀhrend der letzten 50 Jahre im Zusammenhang mit negativen Auswirkungen der eigenen Produkte auf die Gesundheit verwickelt war. In: Le Monde vom 17. Februar 2012, aufgerufen am 20. Februar 2012.
⹠Mathieu Asselin: Monsanto: A Photographic Investigation. Verlag Kettler (English) ISBN 978-3-86206-657-5, Actes Sud (Français) ISBN 978-2-330-07805-8
Weblinks
Commons
: Monsanto Company
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Monsanto-Homepage: monsanto.com (englisch)
âą Combat Monsanto: Building a world free from Monsanto
âą Dirk Schulze: SPIEGEL TV bei Monsanto bei Spiegel Online. 19. April 2009.
âą Peter Waldman, Tiffany Stecker, Joel Rosenblatt: Monsanto Was Its Own Ghostwriter for Some Safety Reviews. In: Bloomberg.com. 9. August 2017; abgerufen am 9. August 2017.
Anmerkungen
cite-note-y1901-11. UrsprĂŒngliche Monsanto (gehört seit 2003 zu Pfizer)
cite-note-y2000-22. Heutige Monsanto (2000 als Tochterfirma der ursprĂŒnglichen Monsanto gegrĂŒndet) â ErlĂ€uterung siehe Geschichte
Einzelnachweise
cite-note-33. Company Leadership (Memento vom 3. November 2016 im Internet Archive)
cite-note-ar2017-44. sec.gov: Monsanto Company
cite-note-bayer-53. â Ăbernahmeangebot erfolgreich: Bayer bekommt Monsanto fĂŒr 66 Milliarden Dollar bei Spiegel Online, 14. September 2016, abgerufen am 14. September 2016.
cite-note-64. â Bayer ĂŒbernimmt Monsanto und streicht den Namen, NZZ vom 4. Juni 2018, abgerufen am 4. Juni 2018
cite-note-75. â 56-Milliarden-Deal: Bayer ĂŒbernimmt Monsanto - und lĂ€sst den Namen verschwinden. In: Spiegel Online. 4. Juni 2018, abgerufen am 5. Juni 2018.
cite-note-etc87-97. â Who Owns Nature? Corporate Power and the Final Frontier in the Commodification of Life (PDF; 6,5 MB) ETC Group CommuniquĂ©, Nummer 100, November 2008, S. 11 ff.
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